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Die App, die dich in den Schlaf wiegt

Die App, die dich in den Schlaf wiegt

Auf Spotify wurde ein Track über 5 Millionen Mal gestreamt. Aber Moment – es ist ja gar kein Track! Es ist der Sound Loop eines Ventilators.

Dahinter steckt Todd Moore, der die sogenannte White Noise App entwickelt hat. Ursprünglich war die App aus einem Witz heraus entstanden: Moore stellte fest, dass er am besten mit dem Geräusch eines Fans, eines Ventilators – ergänzt um ein paar Grillen - einschlafen kann und nahm es auf.


Jedem seine akustische Vorliebe
Bald stellte Moore fest, dass unsere akustischen Vorlieben meist von unserer Umgebung bestimmt werden. Diese hat er kartografiert: In Kalifornien beispielsweise sind Meeresklänge populär, Los Angeles steht auf krachende Surfer-Wellen. Während Sunnyvale und Palo Alto das Summen einer Air-Condition mögen, möchte Arizona den Sandsturm.


Gewohnheit ist Vertrautheit
Viele Menschen fragen nach Klängen und Geräuschen, die sie aus ihrer Kindheit kennen: Wind, der durch Pappeln weht, japanische Zikaden, die man hört, wenn man mit geöffnetem Fenster den Pacific Coast Highway entlangfährt.

Es gibt aber auch unbeliebte Sounds. Laubfrösche aus St. Martin zum Beispiel. Obwohl Moore lange daran getüftelt hat, fanden die Hörer das Geräusch irritierend kreischend. Meist läuft es nämlich eher auf Geräusche hinaus, an die wir uns gewöhnt haben, wie z. B. das Schnarchen des Partners oder - bei Veteranen sehr beliebt - die Klänge des Maschinenraums eines Marineschiffs oder eines Black Hawk Helikopters.


Colors of noise – was ist denn das?
Würde man wahrnehmbare Geräusche farblich darstellen, hätten sie unterschiedliche Farben. Würde man sie physikalisch darstellen, hätten sie unterschiedliche Frequenzen.

Colors of noise beziehen sich also auf das Leistungsspektrum eines zufällig generierten Geräusches, das über unterschiedliche Dichten verfügt und somit auch unterschiedlich farblich dargestellt werden kann. Man könnte es auch mit den verschiedenen Klangfarben in der Musik vergleichen.

White noise bezeichnet ein Geräusch mit einem recht flachen Frequenzspektrum - bezogen auf das Gesamtspektrum an Klängen, die das menschliche Ohr erkennen kann.

Es gibt auch andere Farben, wie blau oder violett, die hochfrequente Zonen repräsentieren, ein Zischen etwa. Diese wirken eher auf junge Leute, da wir mit dem Alter hohe Frequenzen nicht mehr so gut hören.

 

Fließendes Wasser beruhigt
Brown noise ist eine Teilmenge des Spektrums, welches tiefer frequentierte Sounds umfasst, ein bassiges Brummen etwa. Es ist ein wirklich sehr populärer Sound, weil die kraftvollen, tiefen niedrigen Frequenzen im Gehirn diejenigen Regionen fördern, die für Erholung zuständig sind. Ein Beispiel wäre der Wasserfall.

2010 bestätigte eine Studie, dass Menschen Klänge aus der Natur, wie konsistentes Rauschen fließenden Wassers, beruhigend finden. Also alles, was mit Regen zu tun hat, ist zum Hit geeignet.


Die Geräuschemacher
Obwohl Moore meist den “Box Fan Sound” oder den “Brown Noise” zum Einschlafen verwendet, heißt sein Lieblingstrack “Tent Rain”, also Regen, der auf ein Zelt fällt. Um es zu erzeugen, nutzten er und sein Ingenieur eine Plane und einen nach oben gedrehten Gartenschlauch. Natürlich sieht man dieses Bild nicht auf unserer Website, erklärt Moore lachend.

In der Filmindustrie erzeugt man bereits bestehende Geräusche – etwa wie ein Geräuschemacher – und nennt sie „foley“.

Eine weitere Herausforderung liegt darin, ein Geräusch lange genug ohne störende Nebengeräusche (wie Knacken oder Wind) aufzunehmen. Denn unser Hirn ist sehr gut darin, Geräusche zu erkennen und schließlich soll es ja ein Loop, eine unendliche Wiederholung werden.


Sounds aus aller Welt
Die neueste Version der App vom Juli 2016 ermöglicht es Nutzern, ihre eigenen Audio-Loops zu kreieren und hochzuladen. Moores Vision ist es, dass weltweit Menschen Sounds aus ihrem Leben einfangen und abmischen. Manchmal findet man einen Umgebungssound, der - ähnlich wie ein richtig guter Popsong – universale Anziehungskraft hat.


Sounds from outer space
Einer von Moore’s Lieblingsloops, der “Space Station Sleep Room,” ist inspiriert von einer Aufnahme durch den Kapitän der kanadischen Raumfahrtagentur Chris Hadfield, der diese aus dem Inneren der Internationalen Raumstation (ISS) gemacht hat. Meist hört man ein tiefes Brummen und das Surren vieler Ventilatoren, die die Computer herunterkühlen. Auch heute Nacht werden wieder Tausende irdischer Nutzer zu diesen Raumfahrt-Klängen einschlafen.

Den originalen Artikel lest ihr hier.

 

Bildquelle: www.unsplash.com/ Sai Kiran Anagani