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Ernährungsreport 2017: Wie Deutschland sein will

Ernährungsreport 2017: Wie Deutschland sein will

Anfang Januar wurde der Ernährungsreport von Agrarminister Christian Schmidt vorgestellt. Das Marktforschungsinstitut Forsa hatte im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft wie auch im letzten Jahr den Ernährungsreport ausgearbeitet.

Wunsch oder Wirklichkeit
Dazu wurden 1000 Bürgerinnen und Bürger ab 14 Jahren zu ihrem Ess- und Kaufverhalten telefonisch befragt. Natürlich muss man beachten, dass eine Befragung am Telefon nicht unbedingt auch das Verhalten der Befragten in der Realität widerspiegelt. Oftmals ist es mehr Wunsch als Wirklichkeit, denn wie man seine Ernährungsgewohnheiten gern sähe und wie sie tatsächlich aussehen, geht weit auseinander.

Lecker, schnell, gesund
Laut Befragung (89 %) soll das Essen nicht nur gesund sein und gut schmecken, sondern gleichzeitig schnell zubereitet sein.

Demgegenüber stellen sich aber nur 39 % täglich an den Herd, um zu kochen, dabei wäre dies das Gesündeste. Fertiggerichte wie Tiefkühlpizza werden von 60 % der 19 bis 29-Jährigen verspeist.

Tierhaltung und Fleischkonsum
Am liebsten aber essen die Deutschen (53 %) Fleisch, und zwar etwa 60 Kilo pro Kopf pro Jahr. Mehr als gesund ist. Immerhin steigt das Bewusstsein dafür, was artgerechte Tierhaltung bedeutet und 87 % der Befragten sind der Meinung, dass diese verbessert werden sollte.

Zumindest sind 88 % laut Angaben bereit, bewusster zu konsumieren und für artgerechte Haltung mehr zu bezahlen. Am wichtigsten ist allerdings, dass es gut schmeckt – das würde dann auch für die artgerechte bzw. Biohaltung sprechen.
Übrigens: Warum der Ernährungsreport Huhn nicht zu Fleisch zählt und gesondert aufführt, ist nicht nachvollziehbar.

Andererseits kaufen die meisten Bürger ihre Lebensmittel im Supermarkt. 62 % in Lebensmittelmärkten, 43 % im Discounter und nur 6 % im Bioladen.

Mehr Qualität an Schulen und Kitas
Dass Mahlzeiten in Schulen und Kitas weder lecker noch gesund sind, ist keine Neuigkeit. Für Bio-Essen an Schulen und Kindergärten würden 67 % tiefer in die Tasche greifen und Aufklärungsunterricht zum Thema Ernährung an Schulen finden 89 % gut. Offenbar muss hier vermittelt werden, was zu Hause nicht mehr geleistet wird.


Tierwohl oder Konzernwohl?

Das Siegel „Initiative Tierwohl“ ist eine freiwillige Initiative von Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und des Lebensmittelhandels, die dem positiven Image der Supermärkte dient. Tieren soll zu besseren Lebensbedingungen verholfen werden.

Leider liegen die Anforderungen des Siegels nur so geringfügig über den gesetzlichen Mindeststandards, dass sie keinen wirklich Tierschutz darstellen.

Auch für den Verbraucher ist nicht erkennbar, ob sein Stück Fleisch tatsächlich aus dem Fonds der "Initiative Tierwohl“ stammt, da das Los entscheidet, welcher Bauer aus dem recht kleinen Fonds überhaupt Geld bekommt.

Aus diesen Gründen haben sich der Deutsche Tierschutzbund und Tierärzte vom Siegel distanziert und auch von Verbraucher- und Tierschutzseite hagelt es Kritik.


Konzerne wollen keine Veränderung
Wieso sollten auch die Schlacht-, Milch- und Handelskonzerne ihre komfortable Situation verändern wollen? Aufgrund der Überproduktion von Milch und Fleisch, die wir auf dem Markt haben, können die Abnehmer aus einem Überangebot auswählen und so die Preise drücken. Somit sind die Landwirte den Handelskonzern ausgeliefert und weder Handel noch Fleischkonzerne möchten, dass Bauern weniger produzieren und dafür mehr Geld erhalten. Der Preisdruck auf die Bauern bleibt also.

Zudem werden 80 % der Tiere nach wie vor so gehalten wie bisher.
An all diesen Dingen ändert das Label nichts – auch wenn Agrarminister Christian Schmidt nun wieder ganz begeistert davon ist. Der Staat macht für ein Label, das auf Freiwilligkeit der Industrie basiert, Werbung mithilfe von Steuergeldern.

Sinnvoller wäre ein Label, auf das sich die Verbraucher verlassen könnten und sicher sein könnten, dass Tiere ordentlich gehalten worden sind.


Was kann helfen?

Die Bundesregierung muss unsere bestehenden Gesetze, wie Tierschutz (Grundgesetz Artikel 20a)  anpassen und durchsetzen. Dazu müsste sich die Politik von den Lobbyisten der Fleischindustrie emanzipieren.


Zum Ernährungsreport 2017 kommt Ihr hier.


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Bildquelle: unsplash.com/ Eaters Collecitve